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Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September 2019

Unter dem Motto Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ laden die Veranstalter des diesjährigen Tag des offenen Denkmals anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses dazu ein, den Blick auf alle revolutionären Ideen oder technischen Fortschritte über die Jahrhunderte zu richten und darauf, wie diese neue Kunst- und Baustile herbeiführten und somit ein Zeitzeugnis der gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Gegebenheiten darstellen. Unabhängig von Denkmalgattung, Zeit und Ort – Umbrüche sind überall zu finden.

Keine andere Strömung in der Architektur und auch in der Kunst steht mehr im Bewusstsein der Menschen für „Moderne“ und Abkehr von traditionellen Vorstellungen und Techniken wie das Bauhaus.

Das Bauhaus wurde 1919 von Walter Gropius in Weimar als Kunstschule gegründet. Als Zeichen der Rückbesinnung wurde für die neue Schule der Name Bauhaus in Anlehnung an die Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen, in denen Kunst und Handwerk schon früh verschmolzen, gewählt. Architektur und Kunst, wie die Bildhauerei und Malerei, sollten wieder zum Handwerk zurückgeführt werden, um gemeinsam den Bau der Zukunft zu gestalten. Jedoch nicht nur die Zusammenführung von Handwerk und Kunst war ein Anliegen des Bauhauses. Die technischen Fortschritte, die nicht nur die Arbeitswelt veränderten und gesellschaftliche Umbrüche hervorriefen, sondern auch die neuen Baumaterialien wie Eisen, Beton und Glas erforderten eine neue Architektur, die die funktionalen Bedürfnisse widerspiegelte.

Mit seinen klaren kubischen Bauformen, breiten Fensterbändern, gläsernen „Curtain Walls“, Flachdächern, offenen und freien Grundrissen und den Verzicht auf Ornament und Profil stellte der moderne Baustil einen wesentlichen Bruch zu den herkömmlichen Architekturformen dar.

Aus dieser Zeit stammen der bekannte Barcelona Chair von Mies van der Rohe, die Le Corbusier Liege, die Lampe von Wilhelm Wagner, der Wassily Sessel von Marcel Breuer und der erste Freischwinger von Mart Starn.

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde das Bauhaus vor allem durch die Siedlungen des sozialen Wohnungsbaus wie z.B in Stuttgart die „Weißenhof Siedlung“ oder in Karlsruhe die „Dammerstocksiedlung“.

Da das Bauhaus den radikalsten Bruch mit dem herkömmlichen Formenkanon darstellt, wird der Begriff „Bauhaus-Stil“ auch heute noch für eine moderne Bauweise mit Flachdach verwendet.

Es gab jedoch zu jeder Zeit Umbrüche innerhalb der Gesellschaft, der Kultur, der Politik und technische Weiterentwicklungen, deren Zeitzeugen unter anderem die Baudenkmale darstellen.

Technische Weiterentwicklungen sind beim Übergang von der Romanik zur Gotik zu finden. Aus dem romanischen Kirchenbau mit massiven Quadern und kleinen Rundbogenfenstern entsteht der feingliedrige gotische Skelettbau mit Spitzbögen und Kreuzrippengewölben. Strebepfeiler übernehmen die tragende Funktion und ermöglichen deshalb eine höhere Bauweise mit größeren offenen Wandflächen bzw. größeren Fenstern, mit Spitzbögen und Maßwerken.

Mit der Renaissance werden wieder Werte und Kenntnisse der Antike aufgenommen. Gestaltungselemente wie Säulenordnung, Ornamentik, geometrische Formen und Kuppel prägen die kirchlichen und weltlichen Bauten dieser Epoche.

Jedoch sind die Umbrüche in der Architektur nicht nur an neuen Gebäuden zu erkennen, die in jener Zeit gebaut wurden, als der Entstehungs-Baustil modern war, sondern auch an Gebäuden, die seit ihrer Entstehungszeit dem zu dieser Zeit modernen Stil angepasst wurden oder die den modernen Anforderungen nicht mehr entsprachen.

So sind im Landkreis Dillingen Kirchen zu finden, die in ihrem Kern romanischen Ursprungs sind und mehrere bauliche Maßnahmen erfahren haben, wie z.B. die Pfarrkirche Mariä Lichtmeß in Steinheim.

Bei Profanbauten können nicht nur Umbrüche in ihrer Gestaltung, sondern auch in ihrer Nutzung erkannt werden. Schlösser finden heute meist Verwendung als öffentliche Einrichtungen, wie in Wertingen, Höchstädt und Dillingen. Zehentstadel werden nach einer Sanierung und Instandsetzung einer neuen Nutzung zugeführt, z.B. als gemeindlicher Veranstaltungsort, wie in Pfaffenhofen a.d.Zusam und in Dattenhausen. Denkmalgeschützte bäuerliche Anwesen werden heute als reine Wohnhäuser genutzt.

Der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ lädt wieder einmal dazu ein, sich mit der Geschichte und der eigenen Heimat anhand von Baudenkmalen zu beschäftigen, denn in jedem Umbruch steckt etwas Neues, Revolutionäres, Fortschrittliches – eben etwas Modernes.

Informationen zum Tag des offenen Denkmals stehen unter www.tag-des-offenen-Denkmals.de zur Verfügung.

 

Dillingen a.d.Donau, 2. September 2019
Peter Hurler, Pressesprecher
Tel.Nr. 09071/51-138

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