Ein unschätzbarer Beitrag für die Bewahrung des kulturellen Erbes
Die Archivpfleger des Landkreises Dillingen trafen sich in Bissingen
Landratsamt Dillingen a.d.Donau Ein kleines Jubiläum konnten die Archivpflegerinnen und Archivpfleger des Landkreises Dillingen feiern, als sie ihr 10. Jahrestreffen im Sitzungssaal des Rathauses der Marktgemeinde Bissingen abhielten. Längst ist dieses Treffen zu einem festen Bestandteil im Jahreskalender der Archivbetreuer der Landkreiskommunen geworden. Ein kleines Novum gab es heuer allerdings, denn auf Initiative von Landrat Markus Müller nach seinem Besuch des Vorjahrestreffens in Wittislingen initiierte das Regionalmanagement des Landkreises das Projekt „Heimat im Archiv - Geschichte sichtbar machen“.
Im Zuge dessen wurde die Einladung für das Treffen in Bissingen etwas weiter gefasst und nicht nur die Archivpfleger und die Kommunen selbst, sondern auch historisch interessierte und engagierte Personen eingeladen. So waren es exakt 50 Personen aus 19 der 27 Städte und Gemeinden des Landkreises sowie eine Reihe weiterer Experten, die sich im Bissinger Rathaus trafen. Darüber freuten sich Bürgermeister Stephan Herreiner als Gastgeber ebenso wie die stellvertretende Landrätin Christiane Grandé. Stephan Herreiner hob die Bedeutung eines geordneten und strukturierten Archivs nicht nur für die Heimat- und Familienforschung, sondern auch für die Verwaltung selbst hervor. Grandé dankte dafür, dass Bissingen dieses Treffen bereits zum zweiten Mal ausrichtete, und wandte sich dann direkt an die Archivare, als sie sagte: „Sie leisten als Archivpflegerinnen und Archivpfleger unseres Landkreises einen unschätzbaren Beitrag für die Bewahrung unseres kulturellen Erbes. Sie bewahren Erinnerung, Identität und die Geschichte unserer Städte und Gemeinden.“ Mit einem Blick in die Runde betonte sie, dass in dem Kreis der Anwesenden ein ganz besonderer Erfahrungsschatz zusammengekommen sei, denn nahezu alle bringen neben archivalischem Wissen auch langjährige Erfahrungen aus der Kommunalpolitik, dem Ehrenamt und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens mit.
Dies griff auch Kreisarchivpfleger Helmut Herreiner auf, der die Veranstaltung zusammen mit Dr. Johannes Mordstein und Anton Stehle aus dem Stadtarchiv Wertingen federführend organisiert hatte. Der Kreisarchivpfleger begrüßte neben seinen beiden Vorrednern besonders die beiden Bezirksräte Dr. Johann Popp und Ulrich Reiner, den Leiter des Staatsarchivs Augsburg, Dr. Thomas Engelke, Bezirksheimatpfleger Christoph Lang, die Bürgermeister Andreas Seitz, Georg Merz, Friedrich Käßmeyer und Michael Mayr, den Regionalmanager des Landkreises Erik Laznik sowie sein Bissinger Archivteam mit Maria Hurler, Rainer Hammes und Julia Reiter, dem ein besonderer Dank galt. Gekommen waren neben den Vertretern eines Großteils der Stadt- und Gemeindearchive aus dem Landkreisgebiet, des Fuggerarchivs, des Ateliers für Papierrestaurierung in Dillingen auch weitere historisch bewanderte Personen aus dem Landkreis sowie Gäste aus dem Nachbarlandkreis Donau-Ries wie der Kreisarchivpfleger und Vorsitzende des Vereins Rieser Kulturtage, Gerhard Beck, und der Vorsitzende des Bayerischen Vereins für Ahnenforschung und Familienpflege, Manfred Wegele.
Helmut Herreiner wies auf die Bedeutung und die sichtbaren positiven Wirkungen der Vernetzung innerhalb des Archivwesens im Landkreis hin und griff die Idee von Landrat Markus Müller auf, diese Vernetzung über das Regionalmanagement des Landkreises auf Heimatvereine, Sammlungen, Museen und Initiativen mit historischem Hintergrund auszuweiten. Die Vielzahl der 150-jährigen Feuerwehrjubiläen derzeit zeige beispielhaft, wie wichtig ein fundiertes Archivwesen der Kommunen auch für die Vereine sei.
Im Zentrum des Archivpflegertreffens stand anschließend der mit Spannung erwartete Vortrag des Bezirksheimatpflegers Christoph Lang, der unter der Überschrift „Ortskundliche Sammlungen und die Bedeutung von Kommunalarchiven für die Kulturarbeit vor Ort“ stand. Mit der jeweiligen Gemeindeverwaltung verbunden und aus ihr heraus entstanden sind die Archive der Ort, an dem vielfältige rechtlich oder historisch relevante Informationen dauerhaft aufbewahrt werden. Die Archivbetreuer gelten damit vor Ort als die Experten für die lokale Geschichte. „Und auch wenn nicht alle Informationen im Gemeinde- oder Stadtarchiv zu finden sind, Sie als Archivpfleger wissen, wohin man sich dann wenden kann. Sie sind die Vermittler!“, so Christoph Lang. Die eigenen Archivbestände zu pflegen und zu ordnen, gezielt ortsgeschichtliche Materialien zu sammeln und die Ergebnisse dieser Arbeit immer wieder auch zugänglich zu machen, das seien Kernaufgaben. Beiträge und Veröffentlichungen, Tage der offenen Tür, Unterstützung örtlicher Vereine, die Dokumentation von Zeitzeugengesprächen und vor allen Dingen auch die Einbeziehung der Schulen, durchaus auch schon der Grundschulen, nannte der Referent als Beispiele, wie Archivarbeit mit Leben erfüllt werden könne. So werde die Arbeit mit Geschichte zu einem gestaltenden Element örtlicher Kulturarbeit.
Dass diese Intention im Landkreis bereits sehr lebendig gepflegt wird, zeigten die anschließenden Berichte der einzelnen Archivpfleger auf. Auch wenn mit den Stadtarchiven in Wertingen und Dillingen, dem Gemeindearchiv Buttenwiesen und natürlich dem Fuggerarchiv nur wenige Archive im Landkreis Dillingen hauptamtlich betreut werden, wird doch vielerorts sehr wertvolle Arbeit geleistet. Der Kreisarchivpfleger freute sich, dass dies nun auch in Gemeinden wie Schwenningen, Medlingen und Glött verstärkt geschehen soll, was die Bürgermeister durch ihre Anwesenheit bewiesen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen im Bissinger Sportheim nutzten fast alle Teilnehmer des Treffens noch die Gelegenheit, das Archiv der Marktgemeinde Bissingen im ehemaligen Feuerwehrgerätehaus zu besichtigen und sich von Helmut Herreiner, Maria Hurler und Rainer Hammes über die praktische Archivarbeit vor Ort zu informieren. „Langweilig wird es uns im Archiv nie“, waren sich die drei einig. Und ebenso stimmten alle Besucherinnen und Besucher überein, dass bei der Förderung einer regionalen Geschichtsarbeit und Kultur eine weitere Vernetzung sehr sinnvoll sei.





